Es gibt keinen Moment, den man benennen könnte. Keinen Einschnitt. Kein Zeichen.

Der Tag fühlt sich an wie alle anderen. Kalt. Still. Grau. Und doch ist da etwas, kaum größer als ein Gedanke. Am dunkelsten Punkt des Jahres hält die Zeit nicht an. Sie wird nur durchlässiger. So langsam, dass man es erst bemerkt, wenn man selbst innehält. Nicht absichtlich. Eher wie ein kurzes Innehalten zwischen zwei Atemzügen. Der Himmel verändert sich nicht. Das Licht zeigt nichts Neues. Die Dunkelheit verliert nichts von ihrer Kraft. Sie weicht nicht. Sie macht Platz.

Heute wendet sich das Licht. Nicht als Ereignis. Eher wie ein Atemzug zwischen zwei Worten.

Die Kalender nennen es Wintersonnenwende (vintersolståndet). Sie messen Sekunden, zählen Minuten. Aber das Licht folgt keiner Zahl. Es kommt nicht zurück. Es entscheidet sich nur, weiterzugehen.

Irgendwann bemerkt man es. An einem Morgen, der keine Lampe mehr braucht. An einem Abend, der ein wenig länger bleibt, als man erwartet hat.

Vielleicht liegt darin sein Wesen. Dass die Wende kein Bruch ist, sondern ein Übergang. Dass Hoffnung nicht beginnt, sondern wächst.

Während die Tage länger werden, bleibt das Wissen. Still. Unaufgeregt. Wahr. Dass auch dieses Licht vergeht. Dass jedes Mehr ein Teil des Kreises ist.

Wie ein Jahr. Wie ein Leben.

Die Wintersonnenwende ist in Skandinavien kein Fest.

Sie ist Wissen.

— Värde